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Arianismus
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Der Arianismus war eine antitrinitarische theologische Position innerhalb des spĂ€tantiken FrĂŒhchristentums, die unmittelbar von ihrem namensgebenden Theologen Arius (circa 260–327 n. Chr.) und dessen AnhĂ€ngern vertreten wurde.

Arius betrachtete die beispielsweise im Bekenntnis von NicĂ€a (325) behauptete Wesensgleichheit von Gott/Gott-Vater und Sohn als Irrlehre, da sie dem Monotheismus widerspreche, bei welchem der Sohn und der Heilige Geist nur in untergeordneter, nicht Gott gleichkommender Stellung und WĂŒrde denkbar waren. Positionen wie die im NicĂ€no-Konstantinopolitanum (381) zum Dogma erhobene TrinitĂ€t mit einem Gott gleichrangigen Sohn und Heiligen Geist waren aus seiner theologischen Sicht noch hĂ€retischer. Die TrinitĂ€tslehre widersprach laut Arius nicht nur den Aussagen der Bibel, sondern auch dem aristotelischen Syllogismus und sei demnach unlogisch. Umgekehrt wurde und wird aus Sicht der damaligen Vertreter der TrinitĂ€tslehre von NicĂ€a bzw. Konstantinopel und der christlichen Gemeinschaften sowie Kirchen, die diese noch heute anerkennen, der Arianismus als HĂ€resie betrachtet (Arianischer Streit).

Seit der SpĂ€tantike wurde allerdings die Bezeichnung Arianer von AnhĂ€ngern der nicĂ€nischen TrinitĂ€tslehre oft als Kampfbegriff fĂŒr verschiedene nichtnicĂ€nische Christologien bzw. nichtnicĂ€nische TrinitĂ€tsvorstellungen gebraucht, auch wenn diese Strömungen und ihre AnhĂ€nger nicht die speziellen Ansichten von Arius teilten. Im Unterschied zur frĂŒheren Forschung beschrĂ€nken daher seit wenigen Jahrzehnten viele Althistoriker und Kirchenhistoriker den Ausdruck Arianer auf die unmittelbaren AnhĂ€nger des Arius, wohingegen beispielsweise die Homöer mit ihrer nichtnicĂ€nischen TrinitĂ€tslehre, seit der SpĂ€tantike sachlich nicht zutreffend ebenfalls als Arianer bezeichnet, in der wissenschaftlichen Forschung inzwischen als eigenstĂ€ndige, nichtarianische trinitarische/christologische Strömung der SpĂ€tantike etabliert wurden.cite-ref-1[1] TatsĂ€chliche Neu-Arianer im ursprĂŒnglichen Sinne gab es ab den spĂ€ten 350er Jahren nur noch in den AnhĂ€ngern des Aetius, den Heterousianern (frĂŒher auch Anhomöer oder Neuarianer), die eine WesensĂ€hnlichkeit von Vater und Sohn verneinten, dafĂŒr eine Willensgleichheit zwischen beiden behaupteten.cite-ref-2[2] Die meisten homöischen Christen der SpĂ€tantike wurden zwar von ihren Gegnern als „Arianer“ bezeichnet, lehnten Arius’ Lehren aber ab und folgten den BeschlĂŒssen der Synoden von Ariminum (359) und Konstantinopel (360), die sowohl den Arianismus als auch das Bekenntnis von NicĂ€a verworfen hatten.

Contents

‱ Geschichte
‱ Entwicklung
‱ Phasen
‱ Nachfolger
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Theologie des Arius

Die arianische Lehre fußt auf einer speziellen Interpretation des von Origenes vertretenen Subordinatianismus der drei Hypostasen der TrinitĂ€t aus Gott, Logos-Sohn und Heiligem Geist. Arius vertrat, ausgehend von seiner religionsphilosophischen Bildung (die vor allem auf Platon grĂŒndete), die folgenden Positionen bezĂŒglich der TrinitĂ€t und Christologie:cite-ref-3[3]

‱ dass Gott den Logos-Sohn durch den eigenen Willen aus dem Nichts gezeugt habe, der Logos-Sohn damit nicht aus dem Wesen Gottes gezeugt worden sei
‱ dass der Logos und der Vater entsprechend nicht gleichen Wesens seien (vergleiche Wesensgleichheit)
‱ dass nur Gott daher wahrer Gott sei, der Logos-Sohn (der dann in Jesus Mensch geworden sei) dagegen kein wahrer Gott
‱ dass der Sohn ein, wenn auch einzigartiges, Geschöpf des Vaters sei
‱ dass Gott erst Vater geworden sei, als er den Logos-Sohn gezeugt habe
‱ dass es eine Zeit gegeben habe, zu welcher der Sohn noch nicht existierte; er habe einen Anfang gehabt (Bestreitung der anfangslosen Gleichewigkeit von Vater und Sohn, siehe PrĂ€existenz Christi)
‱ dass der Logos-Sohn daher Gott untergeordnet sei (siehe Subordinatianismus)

Bei Arius ist Gott „der Vater“ also ungeworden und ungezeugt, anfangslos und ewig, unwandelbar wie unverĂ€nderlich und absolut transzendent. Der Logos-Sohn ist als selbstĂ€ndige Hypostase wie alles Außergöttliche erschaffen, doch unmittelbar von Gott, doch nicht identisch mit dem Gott innewohnenden Logos. Christus wurde als TrĂ€ger des erschaffenen Logos entsprechend gleichfalls vor zwar undenkbarer Zeit erschaffen, doch gab es eine – logische – Zeit, in welcher Christus noch nicht erschaffen worden war. Der Logos wird bei Arius zum nicht göttlichen, aber besonderen Schöpfungsvermittler, mit dem Gott alle weiteren Geschöpfe erschuf. Jesus gilt bei Arius entsprechend als geschaffen und damit als nicht göttlich, nicht wesensgleich mit Gott.cite-ref-4[4] Zudem habe nur ein Mensch leidend am Kreuz sterben können, kein Gott; die menschliche Natur sei in Christus also dominant gewesen.

Die nachfolgenden Auseinandersetzungen um Arius’ Aussagen konzentrierten sich vor allem auf die Thesen, Logos-Sohn/Gottes Sohn bzw. Vater Sohn sei „geschaffen“ und habe einen Anfang gehabt. Analog dazu war der Logos-Sohn bei Arius kein wahrer Gott. FĂŒr die Kritiker der Thesen von Arius war aber die Erlösung durch den neutestamentlichen Christus unausweichlich damit verbunden, dass der Logos-Sohn bzw. Vater Sohn auch wahrer Gott sei.

Die christologischen und trinitarischen Fragen prĂ€gten die Zeit bis ins 6. Jahrhundert. Arius fand AnhĂ€nger insbesondere in gebildeten hellenistischen Kreisen, da sein TrinitĂ€tsverstĂ€ndnis vom Mittelplatonismus und Neuplatonismus mitgeprĂ€gt und vor allem durch Clemens von Alexandria und Origenes im gebildeten, griechischsprachigen Christentum des östlichen Mittelmeergebietes vermittelt worden war. Das Postulat der Einheit Gottes gegen die Gnosis fĂŒhrte sie dazu, an der Unterordnung des Sohnes unter den Vater festzuhalten.

Ebenso wie die „nicĂ€nischen Trinitarier“ beriefen sich die „Arianer“ auf die Bibel; wie bei ihnen spielte in manchen Richtungen vermeintlich „arianischer“ Strömungen die Inspiration durch den Geist Gottes eine bedeutende Rolle, in anderen die Berufung auf die aristotelische Philosophie. In der biblischen BegrĂŒndung ihrer Lehre zitierten die Arianer oft andere Stellen als die NicĂ€ner (= AnhĂ€nger des Konzils von NicĂ€a); denn das Neue Testament enthĂ€lt keine eindeutigen Aussagen zur Natur Jesu. Insbesondere beriefen sie sich auf den Bibelkommentar des Origenes, der an der Wesenseinheit des Vaters mit dem Sohn festhielt, welcher vor aller Zeit durch innergöttliche Zeugung zu seinem göttlichen Wesen gekommen sei: »Nun ist es möglich, dass manche nicht schĂ€tzen, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott dadurch Götter werden konnten, dass sie an Gott teilhatten«,cite-ref-5[5] und auf Tertullian, der gelehrt hatte, dass Jesus dem Vater untergeordnet sei (Subordinatianismus).

Heterousianer, Homöer und Homöusianer

Zwischen dem ersten Konzil von NicĂ€a 325 und dem ersten Konzil von Konstantinopel 381 entstanden verschiedene, teils nur vermeintlich arianische, hauptsĂ€chlich nichtarianisch-origenistische („origenistische Mittelgruppe“) und damit nichtnicĂ€nische Christologien und TrinitĂ€tslehren, die einander teilweise widersprachen.

Die nachfolgend genannten Richtungen – Heterousianer, Homöer und Homöusianer – entwickelten sich erst ab etwa 357 n. Chr., wobei der entstehende, vermeintliche „Neu-Arianismus“ der Heterousianer mit seiner RadikalitĂ€t diese Entwicklungsdynamik hauptsĂ€chlich ausgelöst hatte.

‱ Die Heterousianer (von altgriechisch áŒ‘Ï„Î”ÏÎżÎżÏÏƒÎčÎżÏ‚ [hetero-oĂșsios] „ein anderer nach dem Wesen [sc. als Gott-Vater]“) um AĂ«tios von Antiochia und Eunomius lehrten, dass Vater und Sohn dem Wesen nach verschieden seien, doch im Willen hinsichtlich des heilsgeschichtlichen Handelns ĂŒbereinstimmten. AnhĂ€nger dieser Richtung wurden frĂŒher auch – nicht zutreffend – als Neuarianer oder Anomöercite-ref-6[6] bzw. Anhomöer bezeichnet.cite-ref-7[7]
‱ Die Homöer (von áœÎŒÎżáż–ÎżÏ‚ Îșατᜰ τ៶ς ÎłÏÎ±Ï†ÎŹÏ‚ [homoĂ­os katĂĄ tĂĄs graphĂĄs] „Àhnlich nach den Schriften“) wie Acacius von Caesarea unterschieden Beschreibungen von Gott, dem Vater, und Logos, dem Sohn, und lehrten, dass der Vater und der Sohn einander demnach Ă€hnlich seien.
‱ Die Homöusianer (von áœÎŒÎżÎčÎżÏÏƒÎčÎżÏ‚ [homoi-oĂșsios] „wesensĂ€hnlich“), die der trinitarischen Lehre nahestanden, so Basilius von Ancyra, lehrten, dass der Vater und der Sohn nach dem Wesen Ă€hnlich und der Substanz nach gleich seien.cite-ref-8[8]

Die verschiedenen Richtungen lagen nicht nur mit den NicĂ€nern (Homousie), sondern auch untereinander im Streit. Homöer und Homöusianer werden inzwischen nicht mehr dem „Arianismus“ zugeordnet, sondern der „origenistischen Mittelgruppe“, einer Richtung aus der Theologie des Origenes.cite-ref-9[9]

Siehe auch

:

Wesensgleichheit

Reichspolitische Bedeutung des Streits

Widerstand regte sich vor allem bei den Theologen des Westens und bei Athanasius von Alexandria, welche die Wesenseinheit von Vater und Sohn betonten: WĂ€re Christus nicht selbst Gott, könnte er die Menschen nicht erlösen. Das große Erlösungsverlangen im Christentum der Zeit erklĂ€rt, warum dieser Schulenstreit zu einem großen Schisma fĂŒhrte und erhebliche Energien band. So notierte der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus aus heidnisch-ironischer Perspektive: „subtile und komplizierte Debatten ĂŒber das Dogma, die im Grunde kein Versuch zu einer wirklichen Einigung waren, fĂŒhrten zu stĂ€ndigen Kontroversen [
] Scharen von Bischöfen hasteten dahin und dorthin zu ihren verschiedenen Synoden und desorganisierten so den öffentlichen Postdienst.“cite-ref-10[10]

In dem Moment, in dem die Kirche ein Pfeiler der staatlichen AutoritĂ€t geworden war, drohte mit diesem Schisma auch ein politischer Konflikt, der den inzwischen abklingenden Zwist zwischen Heidentum und Christentum an Sprengkraft ĂŒbertraf, weil ein Verlust der LoyalitĂ€t eines Teils der christlichen Reichsangehörigen drohte. Das zwang den von Ossius von CĂłrdoba beratenen Kaiser zum Eingreifen und fĂŒhrte auf dem von ihm einberufenen und von Ossius geleiteten Konzil von NicĂ€a zur Erhebung des homoousius zum Dogma. De facto mussten in der Folgezeit jedoch viele antiarianische Erlasse revidiert werden.cite-ref-11[11]

Geschichte

Entwicklung

Der arianische Streit, die Auseinandersetzungen zwischen den AnhĂ€ngern der nicĂ€nischen TrinitĂ€t bzw. der Wesensgleichheit von Gott-Vater und Sohn und den „echten“ arianischen Christen sowie vermeintlich „arianischen“ Christen wie den Homöern und Homöusianern samt den vermeintlich „neuarianischen“ Heterousianern, dominierte die Kirchengeschichte im 4. Jahrhundert. Nichttrinitarische Lehren und nichtnicĂ€nische TrinitĂ€tslehren, seit den Auseinandersetzungen im 4. Jahrhundert sehr lange Zeit unterschiedslos als „Arianismus“ bezeichnet, prĂ€gten damals phasen- und teilweise das Kirchenleben im Römischen Reich.

Die Mehrheit der Bischöfe im Osten des Römischen Reiches – das wurde in den nĂ€chsten Jahren nach dem nicĂ€nischen Konzil durch die weiter gehenden Auseinandersetzungen um die Christologie bzw. TrinitĂ€tslehre deutlich – gehörte zur „origenistischen Mittelgruppe“. Konstantin der Große, welcher die auf dem NicĂ€nischen Konzil verabschiedete trinitarische Formel unter Ausschluss „arianischer“ Positionen befĂŒrwortete, hatte sich nach dem Konzil eine Versöhnung der gegnerischen TrinitĂ€tsauffassungen zum Ziel gesetzt. So wurden beispielsweise 327/328 Eusebius von Nikomedia sowie Arius von Kaiser Konstantin rehabilitiert – Arius, nachdem dieser ein „rechtglĂ€ubiges Bekenntnis“ abgelegt hatte.cite-ref-12[12] Von Eusebius von Nikomedia, dem spĂ€ter als vermeintlich „arianisch“ betrachteten, tatsĂ€chlich aber der origenistischen Mittelgruppe zugehörenden Bischof, hat sich Konstantin 337 auf dem Sterbelager taufen lassen.cite-ref-13[13] Auch sein Sohn Constantius II. bevorzugte und förderte die origenistische Mittelpartei, spĂ€ter speziell die Richtung der „Homöer“.cite-ref-14[14] Nach wenigen Jahren Unterbrechung seit dem Tod von Constantius II. wurde das „homöische“ Glaubensbekenntnis von Kaiser Valens erneut zum offiziellen Kirchendogma erhoben.cite-ref-15[15] Besonders in der Armee hingen ihm viele an.

Die Antitrinitarier und nichtnicĂ€nischen Trinitarier wurden durch Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Richtungen geschwĂ€cht; zudem dominierten sie nur im östlichen Teil des Römischen Reiches. Ab 362 entwickelten die nicĂ€nischen Trinitarier sowie Theologen der „origenistischen Mittelgruppe“ im Laufe einiger Jahre eine mehrheitsfĂ€hige Lehre, unterstĂŒtzt durch klarere Definition der verwendeten AusdrĂŒcke, wodurch sie sprachliche MissverstĂ€ndnisse innerhalb der griechischen und zwischen griechischen und lateinischen Kirchenregionen ausrĂ€umen konnten und so auch fĂŒr viele akzeptabel wurden, die vorher zwischen den Parteien standen.

Phasen

Die Auseinandersetzungen kann man grob in drei Phasen unterteilen, detailliert geschildert in den Artikeln Arianischer Streit und Erstes Konzil von NicÀa:

‱ circ. 318–325: Ein lokaler Streit zwischen Bischof Alexander von Alexandria und Arius eskalierte im östlichen Teil des Römischen Reiches. Der seit Herbst 324 neue Alleinherrscher ĂŒber das ganze Römische Reich, Kaiser Konstantin I., berief fĂŒr 325 eine Synode nach NicĂ€a ein. Eine der Aufgaben des Konzils war, die Parteien zu einigen und eine Kompromiss-Formel zu finden, das NicĂ€nische Glaubensbekenntnis.
‱ 325–361: Reaktion von Arianern, „Anti-NicĂ€ern“ und spĂ€ter vermeintlichen „Neuarianern“, den Heterousianern, und weiteren vermeintlich „arianischen“ Strömungen wie den Homöusianern und den Homöern; Letztere erreichten aufgrund der Anregung wie UnterstĂŒtzung durch mehrere Kaiser, besonders durch Constantius II., eine zeitweilige politische und religiöse Vormachtstellung.
‱ 362/79–381: Zu einer Wende kam es in den 370er Jahren, nachdem ab 362 der wichtigste „Anti-Arianier“, Bischof Athanasius in Alexandria, einen weitaus kompromissbereiteren Weg eingeschlagen hatte. Basilius von Caesarea wurde 370 Bischof von Caesarea und vor allem er, neben seinem Bruder Gregor von Nyssa und seinem Freund Gregor von Nazianz, den drei „kappadokischen KirchenvĂ€tern“, setzte trotz Druck von Seiten Kaiser Valens’ seine Kraft fĂŒr die Entwicklung eines neuen Glaubensbekenntnisses ein, welches das strittige Problem der Hypostasen und die damit verbundene Subordination in der TrinitĂ€tslehre zwischen „Anti-Arianern“ bzw. „Anti-Origenisten“ (eine Hypostase und ein Wesen) und den „Anti-NicĂ€ern“ (drei Hypostasen, drei Wesen) lösen sollte.cite-ref-16[16] Seit Januar 379 herrschte Theodosius I. als Kaiser ĂŒber den Osten des Römischen Reiches und im November 380 wurde der „homöische“ Bischof in Konstantinopel von Theodosius ausgewiesen.cite-ref-17[17] Theodosius I. lud auch zum ersten ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381), wo mit der Bekenntnisformel des NicĂ€nisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses der jahrzehntelange Streit um die richtige TrinitĂ€tsformel weitgehend endete.

Verbreitung

Die GermanenstĂ€mme, die um die Mitte des 4. Jahrhunderts an den Nordostgrenzen des Römischen Reiches siedelten, wurden wĂ€hrend der vermeintlichen Vorherrschaft des Arianismus christianisiert, da viele germanische Krieger in den Dienst Roms traten. TatsĂ€chlich dominierte zu jener Zeit im östlichen Bereich des Römischen Reiches die origenistische Mittelgruppe, aus der sich nach 358 die beiden Richtungen der Homöer und der Homöusianer entwickelten. Der gotische Bischof Wulfila, zunĂ€chst trinitarisch bei der origenistischen Mittelgruppe und nachfolgend bei den Homöern angesiedelt, verfasste eine Bibel in gotischer Sprache (Wulfilabibel), die zu einem einigenden Band der GermanenstĂ€mme wurde, die das homöische Glaubensbekenntnis angenommen hatten.cite-ref-18[18] Wulfila versuchte 381 auf dem Konzil von Konstantinopel vergeblich die Verurteilung des Arianismus zu verhindern, erreichte jedoch im zweiten Kanon die Formulierung „Die Kirchen Gottes unter den barbarischen Völkern aber sollen nach der Weise regiert werden, die schon unter den VĂ€tern herrschte“; dadurch wurde der Freiraum geschaffen, in dem der Arianismus sich als gotische und vandalische Stammeskirche halten konnte.cite-ref-19[19] Da sie zwar in enger Beziehung zum Römischen Reich standen, diesem aber formal nicht angehörten, hatten die BeschlĂŒsse von 381 keine Wirkung auf sie.

WĂ€hrend der Völkerwanderung gelangten germanische KriegerverbĂ€nde der Burgunden und Langobarden, Ostgoten und Rugier, Sueben und Vandalen sowie Westgoten zumeist als foederati, teilweise auch als Eroberer in Gebiete des kulturell fortschrittlicheren Römischen Reichs, die weitgehend von Kirchengemeinden geprĂ€gt waren, welche die TrinitĂ€tslehre des Bekenntnisses von NicĂ€a bzw. NicĂ€no-Konstantinopolitanums ĂŒbernommen hatten. Die meisten dieser Krieger teilten jedoch das anti-nicĂ€nische, homöische Glaubensbekenntnis, und womöglich fĂŒhrte dieses Bekenntnis zu einer gewissen Trennung zwischen ihnen und der römischen Bevölkerung. Im Verlauf des Zusammenbruchs des Weströmischen Reiches bildeten sich auf dem Boden des ehemaligen Westreichs unabhĂ€ngige germanische Nachfolgereiche, in denen daher meistens eine kleine germanische, homöische Minderheit ĂŒber eine romanische Mehrheit mit NicĂ€nisch-konstantinopolitanischem Glaubensbekenntnis herrschte. In einigen FĂ€llen fĂŒhrte politischer Druck dazu, dass die Minderheit das Glaubensbekenntnis der Mehrheit ĂŒbernahm. So ließen sich der homöische burgundische König Sigismund im Jahr 516, der Sueben-König Miro im Jahr 572 und der homöische Westgotenkönig Rekkared I. im Jahr 587 gemĂ€ĂŸ dem NicĂ€nisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis von 381 taufen. Teils wird vermutet, auch der Merowinger Chlodwig I. sei vor seinem Übertritt zum NicĂ€nisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis nicht etwa Heide (wie meistens angenommen), sondern Homöer gewesen. Er vermied durch sein katholisches, nicĂ€nisches Bekenntnis jedenfalls Spannungen mit der romanischen Mehrheitsbevölkerung. Sein Enkel Chilperich I. soll allerdings laut Gregor von Tours noch 580 selbst eine anti-nicĂ€nische Schrift verfasst haben, was jedoch folgenlos blieb.

Die Vandalenherrscher in Nordafrika, mit der Ausnahme von Thrasamund und Hilderich, verfolgten hingegen nichthomöische, nicĂ€nische Christen mehr oder weniger stark. Offenbar hielten sie christliche Kirchengemeinden mit nicĂ€nischem Glaubensbekenntnis fĂŒr gefĂ€hrlich, da diese das gleiche Glaubensbekenntnis wie der römische Kaiser vertraten. Geistliche wurden ins Exil geschickt, Klöster aufgelöst und GlĂ€ubige des nicĂ€nischen Bekenntnisses unter Druck gesetzt. Die Verfolgung durch die Vandalen traf jedoch bei den katholischen Christen ebenso wie bei den Donatisten auf Widerstand. Beendet wurde sie, nachdem sie bereits lange zuvor abgeklungen war, durch die militĂ€rische Niederlage der Vandalen gegen Kaiser Justinian.

Im ehemaligen Vandalenreich in Nordafrika und auf Sardinien, die nun unter oströmische Herrschaft kamen, gab es bis zur Eroberung durch die Araber parallel lateinisch-nicĂ€nische, griechisch-nicĂ€nische und homöisch-nichtnicĂ€nische Christen. Im Westgotenreich in Spanien existierten, möglicherweise bis zur islamischen Eroberung, homöische und lateinisch-nicĂ€nische Christen nebeneinander. Zwischen 603 und 610 reaktivierte der westgotische König Witterich im BĂŒndnis mit Langobarden und Burgundern vorĂŒbergehend nochmals das homöische Glaubensbekenntnis, und auch bei den Langobarden wurde das homöische Glaubensbekenntnis endgĂŒltig erst 662 unter König Grimoald I. vom nicĂ€no-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis abgelöst.

Unter den Arabern war das anti-nicĂ€nische Christentum in der SpĂ€tantike weit verbreitet. In der Forschung wird daher mitunter ein Zusammenhang mit dem strikten Monotheismus des spĂ€teren Islam vermutet bzw. eine geringere Hemmschwelle fĂŒr anti-nicĂ€nische Christen, zum Islam zu konvertieren.cite-ref-20[20] Die nicĂ€nische bzw. nicĂ€no-konstantinopolitanische TrinitĂ€t, unter anderem also die Göttlichkeit Jesu sowie seine Gottessohnschaft, werden auch im Koran unter anderem an folgenden Stellen ausdrĂŒcklich abgelehnt:

„Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinĂŒberbrachte, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei.“

–

Koran 4:171, Übersetzung von Khoury

„Er [Gott] hat nicht gezeugt, und Er ist nicht gezeugt worden.“

–

Koran 112:3, Übersetzung von Khoury

Vertreter und Gegner

Wichtigster Vertreter des Arianismus war Arius selbst. AĂ«tios von Antiochia und Eunomius gehören zu den spĂ€teren Heterousianern (so auch etwa Theophilos der Inder und Leontios von Tripolis).cite-ref-21[21] Eusebius von Nikomedia kann theologisch zur „origenistischen Mittelgruppe“ gerechnet werden, Basilius von Ancyra zu den Homöusianern, die mit dem „Arianismus“ kaum BerĂŒhrungspunkte hatten.cite-ref-22[22] Acacius von Caesarea und Eudoxius von Antiochia sind Hauptvertreter der Homöer.cite-ref-23[23]

Die Gegenposition zum Arianismus wie zu den Positionen der „origenistischen Mittelgruppe“ vertraten insbesondere Athanasius von Alexandria und Alexander von Alexandria, im Westen des Römischen Reiches Hilarius von Poitiers und Ambrosius von Mailand.

Basilius von Caesarea und sein Bruder Gregor von Nyssa sowie ihr gemeinsamer Freund Gregor von Nazianz, die drei kappadokischen KirchenvĂ€ter, können als die Hauptakteure bei der Weiterentwicklung der TrinitĂ€tslehre und Überwindung der Auseinandersetzung darĂŒber ab den 370er Jahren bezeichnet werden.

Nachfolger

In der Reformationszeit entwickelten sich wieder antitrinitarische Positionen. Die reformatorischen Antitrinitarier, die mit anderen Nichtkonformisten der Radikalen Reformation zugerechnet werden können, lehnten das Dogma der TrinitĂ€t ab, weil sie hierin Luthers reformatorisches Prinzip sola scriptura („allein durch die Schrift“) verletzt sahen. Zu dauerhaften Kirchenbildungen kam es jedoch nur in Polen-Litauen (Polnische BrĂŒder) und in SiebenbĂŒrgen (Unitarische Kirche SiebenbĂŒrgen). In Polen wurde der Antitrinitarismus vor allem durch Fausto Sozzini (1539–1604) geprĂ€gt, in SiebenbĂŒrgen kann der Reformator Franz David genannt werden. Von hier aus verbreitete sich auch der Begriff des Unitarismus, der sich ĂŒber Deutschland, die Niederlande, Großbritannien und bis in die USA ausbreitete. Vor allem der von Fausto Sozzini begrĂŒndete Sozinianismus hatte einen großen Einfluss auf die Theologie und insbesondere auf die religionskritische Literatur der AufklĂ€rung im 18. Jahrhundert. Auch Isaac Newton war in seinen theologischen Schriften Antitrinitarier. Von Gegnern wurde den Antitrinitariern oft der ungenaue oder pauschale Vorwurf des Arianismus gemacht.

Unter den modernen Unitariern hat sich jedoch inzwischen auch eine nichtchristliche humanistische Richtung herausgebildet, so dass der Unitarismus nicht mehr zur GÀnze dem christlich-reformatorischen Antitrinitarismus zugeordnet werden kann. Neben den Unitariern entwickelten sich spÀter jedoch auch noch weitere antitrinitarische Gruppen wie die Christadelphians und die Church of God General Conference, die in der Traditionslehre des unitarischen Sozinianismus stehen und zum Teil in der Unitarian Christian Alliance zusammenarbeiten, sowie die Zeugen Jehovas. Doch wÀre es unhistorisch, die Zeugen Jehovas als arianisch zu bezeichnen, zumal sie viele Glaubenslehren ablehnen, die die historischen Arianer noch angenommen hatten.

Literatur

‱ Guido M. Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.): Arianism. Roman Heresy and Barbarian Creed. Ashgate, Farnham 2014, ISBN 978-1-4094-4659-0.
‱ Hanns Christof Brennecke: Studien zur Geschichte der Homöer. Der Osten bis zum Ende der homöischen Reichskirche (BHTh 73). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1988, ISBN 978-3-16-145246-8.
‱ Harald Derschka: Die GrĂŒndung der Abtei Reichenau und der Arianismus. In: Deutsches Archiv fĂŒr Erforschung des Mittelalters. Band 72, 2016, S. 1–32.
‱ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016.
‱ Adolf Martin Ritter: Arianismus. In: Theologische RealenzyklopĂ€die 3, De Gruyter, Berlin 1976–2004, ISBN 3-11-002218-4 / ISBN 3-11-013898-0 / ISBN 3-11-016295-4, Studienausgabe: ISBN 3-11-013898-0 / ISBN 3-11-016295-4, S. 692–719.

Weblinks

‱ Aktuelle Literatur zum Arianismus

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Hanns Christof Brennecke: Augustin und der „Arianismus“. In: Therese Fuhrer (Hrsg.): Die christlich-philosophischen Diskurse der SpĂ€tantike. Texte, Personen, Institutionen. Stuttgart 2008, hier S. 178.
cite-note-22. ↑ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 90–92.
cite-note-33. ↑ Franz DĂŒnzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2006, ISBN 3-451-28946-6, S. 53–59.
cite-note-44. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 120f.
cite-note-55. ↑ Origenes, Kommentar zu Johannes 2,3
cite-note-66. ↑ Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 755–775, Eintrag Arianischer Streit.
cite-note-77. ↑ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 92.
cite-note-88. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (= Ideengeschichte des Christentums. Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 133; Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 90.
cite-note-99. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (= Ideengeschichte des Christentums. Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 92; Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 76f., S. 90.
cite-note-1010. ↑ Ammianus Marcellinus 22, 16, 19, zitiert nach Franz Georg Maier: Die Verwandlung der Mittelmeerwelt (Fischer Weltgeschichte, Band 9). Frankfurt am Main 1968, S. 105.
cite-note-1111. ↑ Franz Georg Maier: Die Verwandlung der Mittelmeerwelt. Frankfurt am Main 1968, S. 105 f.
cite-note-1212. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 130f.
cite-note-1313. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (= Ideengeschichte des Christentums. Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 126.
cite-note-1414. ↑ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 93.
cite-note-1515. ↑ Eike Faber: Von Ulfila bis Rekkared. Die Goten und ihr Christentum. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2014, S. 16.
cite-note-1616. ↑ Franz DĂŒnzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2006, S. 120.
cite-note-1717. ↑ Justin Mossay: Gregor von Nazianz (gest. 390). In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 14, de Gruyter, Berlin / New York 1985, ISBN 3-11-008583-6, S. 164–173. hier S. 166f. (kostenpflichtig, abgerufen ĂŒber Theologische RealenzyklopĂ€die, De Gruyter Online).
cite-note-1818. ↑ Hanns Christof Brennecke: Augustin und der „Arianismus“. In: Therese Fuhrer (Hrsg.): Die christlich-philosophischen Diskurse der SpĂ€tantike. Texte, Personen, Institutionen. Stuttgart 2008, hier S. 178f.
cite-note-1919. ↑ Knut SchĂ€ferdiek: Der vermeintliche Arianismus der Ulfila-Bibel. In: Zeitschrift fĂŒr antikes Christentum, Band 6 (2002), Heft 2, S. 320ff.
cite-note-2020. ↑ “Muslim theology often presents Arianism as true Christianity”, bemerkt Paolo Dall’Oglio SJ als Beobachtung in Bezug auf den heutigen Islam. In: In love with Islam, believing in Jesus. Peter Lang, Oxford 2023, ISBN 978-178997-996-1, S. 133.
cite-note-2121. ↑ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 92.
cite-note-2222. ↑ Jan Rohls: Gott, TrinitĂ€t und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2014, S. 126.
cite-note-2323. ↑ Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuausgabe. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2016, S. 91.